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Die Elbphilharmonie in Hamburg – Architektur versus Dilettantismus



November 21st, 2012 · Keine Kommentare

Jeder von Euch, der sich einmal nach Hamburg auf den Weg macht, hat viel zu bestaunen! Da locken nicht nur Klassiker wie der Hafen, der Hamburger Fischmarkt, die Reeperbahn und so aufregende Viertel wie St. Pauli. Nein Hamburg hat auch unter anderem architektonisch viel zu bieten. So beispielsweise die Elbphilharmonie in der Hafencity, 600 Meter Luftlienie entfernt vom Rathausmarkt.

Kaum ein Thema beschäftigte die Freie und Hansestadt Hamburg in den letzten Jahren so sehr wie die Elbphilharmonie. Da der im August dieses Jahres geschlossene Kompromiss zwischen der Stadt und der Baufirma Hochtief ein Ende der Arbeiten erst für den Sommer 2015 vorsieht, spricht viel dafür, dass sich an diesem Zustand in naher Zukunft nichts ändern wird. Trotz aller Querelen ist diese Prognose auch positiv gemeint. Denn jenseits aller Kosten- und Terminfragen entsteht mit der Elbphilharmonie ein neues modernes Wahrzeichen Hamburgs.

Ein Kulturprojekt mit interessanter Vorgeschichte
Dort, wo derzeit die Elbphilharmonie entsteht, befand sich zuvor ein Speichergebäude, dessen Ursprünge in den Hafenbaumaßnahmen um das Jahr 1865 liegen. 1875 entstand dann auf der so genannten Johns’schen Ecke der Kaiserspeicher am Kaiserkai. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude stark beschädigt und zwischen 1963 und 1966 nach Abbruch neu errichtet. Gelagert wurden dort Kakao, Tabak und Tee, bis der Schüttguthandel aus diesem Teil des Hamburger Hafens verschwand. Da das Gebäude ein wichtiges architektonisches Beispiel der Nachkriegsmoderne darstellt, war klar, dass ein erneuter Abriss nicht zur Debatte stand. Für die Umnutzung stand zunächst ein “Media City Port” zur Diskussion. Es ist der Initiative von Projektentwickler Alexander Gérard und Kunsthistorikerin Jana Marko zu verdanken, dass sich mit der Elbphilharmonie ein anderes Projekt durchsetzte. Ein erster Entwurf wurde durch das Architekturbüro Herzog und de Meuron im Juni 2003 öffentlich vorgestellt.


Die bisherige Baugeschichte der Elbphilharmonie
Im Dezember 2003 beschloss der Senat der Stadt Hamburg die Realisierung der Elbphilharmonie, sofern keine wirtschaftlichen oder technischen Hindernisse bestehen sollten. Entsprechend wurde eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Während der Durchführung derselben scheiterte der Versuch eines Joint Ventures zwischen der Stadt und den Projektentwicklern Becken und Gérard. Die Durchführung des Projekts oblag daher ab Herbst 2004 ausschließlich der Stadt Hamburg. Die Machbarkeitsstudie endete im Juli 2005 mit einem positiven Ergebnis. Am 2. April 2007 erfolgte die Grundsteinlegung. Als erste Baumaßnahme wurden die Außenmauern durch ein Stahlkorsett abgestützt, um das Gebäude vollständig entkernen zu können. Bereits 2008 begann die beauftragte Baufirma Hochtief damit, Nachtragsforderungen zu stellen. Im November 2008 erfolgte eine Einigung auf zusätzliche 137 Millionen Euro. Das Richtfest wurde Ende Mai 2010 gefeiert, ehe die Firma Hochtief im Oktober 2011 die Arbeiten vorläufig einstellte. Diesmal waren Sicherheitsbedenken bezüglich des Dachs und anderer Gebäudeteile der Grund. Die Stadt setzte nach fruchtlosen Verhandlungen in diesem Rechtsstreit ein Ultimatum, welches jedoch nicht zum Weiterbau führte. Am 19.10.2012 „feierte“ Hamburg ein Jahr Baustopp. Zwar wurde bis August 2012 weiter verhandelt und ein Eckpunktepapier erstellt, welches eine Bauzeit bis zum Sommer 2015 vorsieht, wann tatsächlich weiter gebaut wird, ist jedoch offener als jemals zuvor. Die Baukosten werden mittlerweile auf bis zu 500 Millionen Euro geschätzt.

Vielseitig nutzbar in großen Dimensionen
Wie der Name verrät, wird die Elbphilharmonie einen großen Konzertsaal beherbergen. Vorgesehen sind 2.150 Sitzplätze. Weiterhin sind ein kleiner Saal mit 550 Plätzen sowie das sogenannte Kaistudio geplant, welches 170 Zuschauern Platz bieten soll. Während der große Saal klassischen Konzerten vorbehalten sein soll, soll im kleinen Saal vornehmlich Kammermusik zur Aufführung kommen. Weiterhin ist eine Plaza geplant, um welche sich die Konzertsäle, ein geplantes Hotel sowie die Wohnbauten der Anlage gruppieren sollen. Das fertige Gebäude soll insgesamt 26 Stockwerke umfassen. Die Gesamthöhe wird 110 Meter betragen, was die Elbphilharmonie bei Fertigstellung zum höchsten bewohnten Gebäude der Freien und Hansestadt machen wird. Architektonisch auffällig am Gebäude sind das wellenähnlich geformte Dach sowie die Fassade, bestehend aus Hunderten, jeweils einzigartigen und gewölbten Glasflächen. Einen weiteren Blickfang wird eine konkav gebogene und etwa 82 Meter lange Rolltreppe im Innern der Elbphilharmonie bieten. Weiterhin sind 29 Aufzüge geplant.


Die Attraktivität der Speicherstadt mit ihrer langen Tradition des Handels mit Gütern aus fernen Ländern wie Kaffee, Tee und exotischen Gewürzen wird durch die Elbphilharmonie weiter verstärkt. Hierzu dienen auch weitere städtebauliche Maßnahmen im unmittelbaren Umfeld der Elbphilharmonie wie etwa die Umgestaltung der Uferpromenade zwischen Landungsbrücken und Baumwall. Auch wenn weitere Projekte im Zusammenhang mit der Elbphilharmonie derzeit aus Kostengründen auf Eis liegen, entsteht derzeit gleichwohl ein modernes architektonisches Wahrzeichen, welches das Stadtbild Hamburgs auf Jahrzehnte hinaus entscheidend prägen wird.

Neben dem guten Kaffee und dem Gewürzangebot in der Speicherstadt gibt es vorallem auch jetzt in der anstehenden kalten Jahreszeit viele Möglichkeiten sich nach dem Bestaunen dieses herrlichen Bauwerks zu stärken und weitere Eindrücke zu sammeln. So empfiehlt sich ein Besuch auf dem Hamburger Weihnachtsmarkt, bei dem bewusst Wert auf Tradition  sowohl hinsichtlich der warmen und hellen Kulisse des Marktes als auch bei den angebotenen Produkten gelegt wird. Wie gesagt ist Elbphilharmonie lediglich rund 600 Meter Luftlinie vom Rathausmarkt entfernt, also auch gut von dort zu erreichen.

Im folgenden kommen nun noch ein paar weitere bauliche Fakten in Form von Zahlen sowie einige Fotos.

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