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Der Erker – Definition und Nutzung



August 30th, 2010 · 1 Kommentar

Heute hat sich die Redaktion von baupedia.de mit einem neuen Thema aus unserem Bereich Baulexikon beschäftigt. Diesmal geht es um den Erker.

Definition
Hinter diesem Begriff versteckt sich üblicherweise ein geschlossener und überdachter Vorbau an Häuserfassaden, welcher sich über mindestens eine, oft auch über mehrere Etagen und Geschosse erstreckt. Dabei unterscheidet sich der Erker von der Auslucht darin, dass der Erker nicht vom Boden aus aufsteigt sondern von einer auskragenden Konstruktion (Balkenlage oder Konsole) getragen wird. Hierbei handelt es sich um einen Fenstererker, wenn der Erker nur auf Höhe der Fenster aus der Fassade vorspringt. Oft ist der Erker aber mit einem Dach bis über die Traufkante hochgeführt.

Bevor wir einzelne Arten von Erkern vorstellen, hier erst einmal ein paar Fotos zur Visualisierung vorab:

Erker Fraunhofer Straße Fraunhofer Apothke in München

Stubenerker in der Fraunhofer Straße im Glockenbachviertel in München

moderner Stubenerker in der Fraunhofer Straße in München

moderner Stubenerker, der über mehrere Etagen reicht, Glockenbachviertel, München

Oder hier noch ein schöner Erker eines Fachwerkhauses in Blaubeuren mit spitzem Dach.

Wehrerker
Urpsrünglich waren Erker als Wehrbauten konzipiert und wurden so oft im Mittelalter an die Außenseiten der Stadtmauern angebracht bzw. waren ein Teil dessen mit Zugang durch eine Öffnung in der Mauer. Diese sogenannten Wehrerker waren entsprechend Definition geschlossen und besaßen lediglich Schießscharten und Löcher in den Böden. Der Vorteil von Wehrerkern gegenüber der Verteidigung von der Krone der Stadtmauer aus war zum einen, dass der Verteidiger eine bis zu 270° umfassende Sicht auf die Angreifer hatte, so die Mauer besser überwacht werden konnte. Und zum anderen konnten so Angreifer aus der Deckung des Erkers heraus beschossen und durch Öffnungen im Boden mit Gesteinsbrocken, Teer oder sonstigem bekämpft werden. Ein schönes Beispiel für Wehrerker stellt die Aachener Stadtmauer dar.


Aborterker
Daneben gab es seit dem Mittelalter auch noch Aborterker, welcher nach unten hin offen war und so als Toilette diente.

Kapellenerker
Bei Schlössern, Burgen und Häusern von Patriziern und Kaufleuten wurde oft noch ein eingeschossiger Kapellenerker integriert (Chörlein). Hierin befand sich der Altarraum einer Hauskapelle, wobei ein Kirchengebot Wohnräume über dem Altar verbietet.

Stubenerker
In der Spätgotik und Renaissance kam dem Erker als sogenannter Stubenerker noch die Bedeutung der Erweiterung der Wohnfläche in Wohnhäusern zu. Zum einen wurden die Räume dadurch besser mit Licht durchflutet und zum anderen nutze man den Erker als künstlerisches Motiv zur Gliederung von Fassaden.

Eckerker (Coburger Erker im Speziellen)
Als weitere über die Nutzung hinausgehende Variante des Erkers findet man zudem noch den Eckerker, welcher sich wie der Name erwarten läßt, an Ecken von Gebäuden befindet. Eine besondere Variation ist hierbei der Coburger Erker, mehrfach in Coburg zu finden und gegen Ende des 16. Jahrhunderts erbaut. Architektonische Besonderheit ist hierbei eine Säule an der Hausecke, die die zweistöckige Konstruktion, welche durch eine welsche Haube abgeschlossen wird, trägt. Zur Visualisierung sei hier die Seite der Stadt Coburg empfohlen, auf der am Ende des Artikels sehr schöne Fotos auf Euch warten (Marktplatz).


Neuzeit
Auch in unserer heutigen Zeit wird das Element des Erkers genutzt. So wurde im folgenden Beispiel der Erker als Teil eines modernen Konzeptbaus verwendet.

Ein „Meisterwerk“ der modernen Architektur findet sich auch in Almaty, dieses Foto massenhaft angebrachter Erker möchte ich Euch nicht vorenthalten.

Auch im Sozialismus und dessen wohnzweckliche Plattenbauweise wurde der Erker gern als Schmuck- und Gliederungselement der Fassaden sozialistischer Prachtbauten verwendet (im Beitrag etwas weiter unten zu finden, Rosenthaler Str. und Turmstraße). An dieser Stelle empfehle ich einen Besuch im Berliner Nikolaiviertel, um diese Bauten einmal von ganz nah sehen zu können!

Und zum Abschluss noch ein paar weitere Fotos von Erkern in Schaffhausen inklusive schöner Stadtbeschreibung von der Seite lamiacucina.

Nachtrag:  Ein schönes Foto des Erkers des Münchner Hofbräuhauses ist nun in einem neuen Artikel auf baupedia.de zu begutachten und dazu gibt es noch ein paar geschichtliche Hintergrundinfos.

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