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In München steht ein Hofbräuhaus und das hat einen Erker . Geschichte und Details



Februar 8th, 2012 · 1 Kommentar

Auf der Suche nach weiteren Erkerbeispielen kamen wir unlängs auch am Münchner Hofbräuhaus vorbei. Dieses hat einen sehr schön anzuschauenden Stubenerker, aber auch eine lange Geschichte, welche wir hier in diesem Artikel einmal aufgreifen.

Das aller erste Hofbräuhaus Münchens wurde am 27. September 1589 vom bayerischen Herzog Wilhelm V. in Auftrag gegeben und eigentlich braunes Hofbräuhaus genannt. Grund dafür war, dass in diesem zur Versorgung von Hof und Bediensteten das sogenannte Münchner Braunbier (auch rotes Bier genannt) gebraut wurde. Die einfache Erklärung für diese lokale Versorgung waren Kostengründe, da damals das Hofbier teuer aus der weit entfernten Hansestadt Einbeck oder von privaten Brauereien herangeschafft werden musste. Als erster Braumeister des Hofbräuhauses wurde ein gewisser Herr Pongratz aus dem Benediktinerkloster Geisenfeld in der Hallertau verpflichtet. Gestanden haben soll der Bau am “Alten Hof” in der Nähe des Zerwirk Gewölbes in der heutigen Sparkassenstr., also unweit des Odeonsplatzes.

1602 starb der letzte männliche Nachfahre des Grafengeschlechts der Degenberger (ansässig in Schwarzbach im Bayerischen Wald), welche damals das alleinige Vorrecht zum Brauen von Weißbier (Weizenbier) inne hatten. Dadurch fiel dieses Privileg zurück an das Geschlecht der Wittelsbacher und Maximilian I. (Sohn von Wilhelm V.) sorgte dafür, dass Weißbier fortan in München gebraut wurde, wo es schnell an Popularität gewann.


Das weiße Hofbräuhaus am Platzl
1604 wurde das in München gebraute herzogliche Bier bereits an die Höfe in Regensburg, Landshut und Straubing verkauft und der geschäftstüchtige Maximilian I. ließ ebenso in anderen bayerischen Städten Hofbräuhäuser errichten. Schließlich wurde 1610 der Bierverkauf an Wirte und Privatleute erlaubt, wobei das dafür nötige Schankrecht die Wirte verpflichtete, das Hofbräu-Bier auszuschenken. Durch diese steigenden Mengen kam das braune Hofbräuhaus langsam an seine Kapazitätsgrenzen und so wurde bereits im Jahre 1605 beschlossen, die Produktion des Weißbieres auszulagern. Dabei handelte es sich um das weiße Hofbräuhaus am Platzl, welches 1607 an der heutigen Stelle des Hofbräuhauses in Betrieb ging. Das braune Hofbräuhaus stellte alsbald seine Brautätigkeit ein, da auch das Braunbier ab 1608 im neuen weißen Hofbräuhaus produziert wurde.

Im Jahre 1810 heiratete Kronprinz Ludwig I. seine Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen was mit einem großen Fest gefeiert wurde. Da dieses Fest bei der Bevölkerung Münchens sehr gut ankam, wurde es Jahr um Jahr erneut veranstaltet und geboren war das heute weltbekannte Münchner Oktoberfest. 1828 wurde von Ludwig I., welcher drei Jahre zuvor König wurde, die sogenannte Gastung verfügt, wodurch fortan die Bevölkerung im Hofbräuhaus bewirtet werden durfte. Selbiger setzte im Jahre 1844 ebenfalls den Bierpreis deutlich herab, was die Verbreitung weiter vorantrieb. Ab dem Jahre 1880 war dann auch der Bierausschank auf dem Oktoberfest (Wiesn) erlaubt, was die Tradition des Einzugs der Wiesnwirte hervorbrachte, da die Wiesn sich damals noch weit vor den Toren der Stadt befand. Getrunken wurde auf der Wiesn dann auch das im Hofbräuhaus gebraute spezielle Wiesn-Märzen, welches einen höheren Alkoholgehalt von 6 bis 7% und mehr Stammwürze enthält. So konnten die eingelagerten Biervorräte vor der anstehenden Brausaison geleert werden.

Auch damals lebte München schon ein Stück weit vom Tourismus und so wurde auch das Hofbräuhaus immer mehr zum Anziehungsmagneten, jedoch war der Platz begrenzt. Daher beschloss Prinzregent Luitpold im Jahre 1896 die Brauerei des Hofbräuhauses auszulagern. So entstand der heutige Hofbräukeller in der Inneren Wiener Straße in der Nähe des heutigen Max-Weber-Ülatzes im Viertel Haidhausen, Nähe Gasteig. Dadurch konnte der Gastraum des eigentlichen Hofbräuhauses stark vergrößert und umgestaltet werden. Der Umbau im Neorenaissancestil wurde von der Firma Heilmann & Littmann in zwei Bauabschnitten vorgenommen, wodurch ein Gebäude entstand, welches schon fast dem uns heute bekannte Hofbräuhaus entsprach. Im selben Jahr wurde daher das Sudhaus abgetragen und 1897 neu in Betrieb genommen. Darauf folgenden ging es an das Verwaltungsgebäude, welches abgerissen und durch einen Gaststättenbereich ersetzt wurde. Feierliche Eröffnung des Hofbräuhauses war am 22. September 1897.


Leider wurde das Gebäude 1945 im Zweiten Weltkrieg fast völlig zerstört. “Im Sinne der Tradition” und da es dem Bayerischen Staat geschätzte jährliche Einnahme im zweistelligen Millionenbereich erwirtschaftet wurde das Hofbräuhaus, welches sich seit damals und bis heute immer im Bayerischen Staatsbesitz befand, fast originalgetreu rekonstruiert und mit der Fertigstellung des Festsaals im Jahre 1958 pünktlich zur 800-Jahrfeier Münchens wiedereröffnet. Offiziell lautet seine Bezeichnung Staatliches Hofbräuhaus am Platzl. Seit 2004 findet sich eine lizensierte Nachbildung in Las Vegas.

Das Hofbräuhaus in der Gegenwart
Insgesamt finden im Hofbräuhaus annähernd 3.000 Gäste Platz: ~1.000 von ihnen in der sogenannten Schwemme, der großen Bierhalle im Erdgeschoss, dem wohl bekanntesten Teil dieses weltberühmten Biertempels. Dort befinden sich auch die “Garagen”. Dabei handelt es sich um abschließbare Aufbewahrungsregale für Bierkrüge von Stammgästen und nur mit vielen Jahren Wartezeit besteht der Hauch einer Chance, eben solch eine Garage zugeteilt zu bekommen. Im Obergeschoss finden ebenfalls ~1.000 Gäste im schon erwähnten Festsaal Platz, welcher mit seinen 9 Meter hohen Decken und Gewölben durchaus beeindruckend daher kommt. Die letzten ~1.000 Besucher verteilen sich auf eine Sammlung unterschiedlicher Zimmer, Stuben und Säle: Allen voran dem Erkerzimmer (siehe Foto), das Münchner Zimmer, die Trinkstube, die Fischerstube, die Jägerstube, die Weihenstephaner Stube, dem Wappensaal und dem Schäfflersaal, der nach dem Handwerk der bayerischen Fassmacher benannt wurde. Und wenn es im Sommer mal wieder so richtig heiß ist, bietet der Innenhof mit dem Löwenbrunnen die Gemütlichkeit eines echten Biergartens mitten in der Stadt.

Und zum Abschluss noch eine Nachtaufnahme vom Erker des Hofbräuhauses in München, worin sich das Erkerzimmer befindet:

Hofbräuhaus am Platzl in München . Erker . Nachtaufnahme . Schriftzug und Logo

Hofbräuhaus am Platzl in München . Erker . Nachtaufnahme . Schriftzug und Logo

Fotoquelle: privat
Offizielle Seite: www.hofbraeuhaus.de

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1 Antwort bis jetzt ↓

  • 1 baupedia.de | Der Erker // Feb 22, 2012 at 16:50

    [...] In München steht ein Hofbräuhaus und das hat einen Erker . Geschichte und Details [...]

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