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Die Borstei . Eine denkmalgeschützte Wohnanlage im Norden Münchens



Dezember 12th, 2011 · Keine Kommentare

Wer kennt es nicht, das weltweit berühmte Olympiaparkgelände mit seiner auch für heutige Verhältnisse immer noch modernen Architektur inklusive bemerkenswert gestalteten Gebäuden, erbaut anlässlich der 20. Olympischen Spiele 1972?

Doch im Norden Münchens halten sich noch weitere Bauwerke versteckt, über die baupedia.de schreiben muss. Und versteckt ist genau das richtige Wort für die von 1924-29 erbaute „Borstei“, die heute unter Denkmalschutz steht. Nicht das man diesen durchdachten und für damaligen Verhältnisse hoch modernen, zusammenhängend gestaltete Wohnkomplex übersehen könnte, wenn man ihn selber einmal besichtigt, doch findet dieses nach modernen Gesichtpunkten weniger spektakuläre Kleinod in unserer heutigen Zeit weniger Beachtung. Zu Unrecht!

Die Geschichte der Borstei
Das an der Dachauer Straße befindliche bis dato unbebaute Gelände der Borstei erwarb der Baunternehmer Bernhard Borst im Jahre 1923 und ließ die ersten Wohnhäuser nach eigenen Entwürfen im Jahre 1924 an der Ecke Pickelstr. / Dachauer Straße erbauen, da ein vorangegangener Architekturwettbewerb trotz 60 Einreichungen ohne Siegerbeitrag endete.


Dabei wollte Herr Borst nicht nur Wohnraum schaffen sondern auch die Bewohner entlasten und „das Schöne eines Einfamilienhauses mit dem Praktischen einer Etagenwohnung … verbinden“.  Dies spiegelte sich in einem Komfortniveau wider, das in der damaligen Zeit einmalig war: So gab es in den 2- bis 4-Zimmerwohnungen fließend heißes Wasser und eine Zentralheizung, welche durch das 1928 erbaute erste und heute noch betriebene Heizkraftwerk Deutschlands versorgt wurden. Außerdem enthielten die Wohnungen einen Gasherd, ein Badezimmer innerhalb der Wohnung mit Waschbecken und Bidget sowie Parkett. Unter Hinzunahme des Architekten Oswald Bieber im Jahre 1927 entwickelte sich dieses Baudenkmal mit seinen miteinander verbundenen Wohngebäuden und integrierten, begrünten Höfen weiter und konnte 1929 mit insgesamt 77 Häuser und 772 Wohnungen fertig gestellt werden.

Verwendung fanden natürliche Baustoffe wie Ziegel, Kalkmörtel, Holzbalken für die Geschossdecken, Kork für die Isolierung der Dachgeschosse, Kupfer für die Spenglerarbeiten und Eichenholz für das in den Wohnungen verlegte Parket. So hat dieses Baudenkmal auch nach all den Jahren seinen Charme nicht verloren sondern durch die Nachhaltigkeit an Attraktivität gewonnen. Dies ist auch an der nach Aussage des historischen Lexikon Bayerns geringen Fluktuation der Mieter zu sehen. Trotz der geschätzten Qualität der Wohnungen ist an den Erwerb einer Denkmalimmobilie und den damit verbundenen Steuervorteilen derzeit noch nicht zu denken, da sich die Borstei im Eigentum der Erbengemeinschaft von Bernhard Borst befindet und im Falle eines fehlenden Erben in den Besitz der Stadt München übergeht.

Bernhard Borst lebte nach dem Zweiten Weltkrieg selber noch viele Jahre bis in der Borstei und organisierte für die Bewohner Feste und Feiern innerhalb der stark begrünten Wohnanlage, in der auch Geschäfte, eine Wäscherei und verschiedene Handwerkerdienste integriert waren bzw. teils heute immer noch sind.


Seit 2006 kann man sich die Geschichte in dem Borsteimuseum noch genauer anschauen und sich auch gleich einen Eindruck vor Ort machen. Das ist nur zu empfehlen! Adresse findet Ihr am Ende des Artikels.

Extrawissen
Der Name „Borstei“ wurde übrigens erst am Ende des Jahres 1928 mit Hilfe eines Preisausschreibens gefunden und darin mehrfach genannt. Unter den mehr als 2.600 Einsendungen befanden sich auch Vorschläge wie Schlaraffenhof oder Paradies, was auch noch einmal den bis dato ungewöhnlichen Komfort der Wohnungen widerspiegelt. Auch ist die Borstei mit 70.000 m² eine echte grüne Oase, da die Gesamtfläche bei 90.000 m² liegt. Auch finden sich in den großzügigen Grünanlagen 60 Skulpturen, die dem Betrachter verschiedene Botschaften vermitteln sollen. Die Fassaden sind einfach aber mit Fresken und Ornamenten geschmückt. Eine einfache aber ehrliche Gestaltung im Stile der 20er Jahres des vergangenen Jahrhunderts.

Fotos fehlen noch. Falls Ihr welche zwecks Veröffentlichung habt, immer gern, einfach eine kurze Mail an uns, siehe Impressum.

Kontaktdaten Museum:
Das Borsteimuseum
Löfftzstraße 10 (Ostseite der Borstei)
80637 München
Mail: post@borstei-museum.de
Telefon: 089 / 15 99 04 83

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